geht mal gar nicht

November 11, 2009

…und zwar dieser Artikel bei Spreeblick und dass die Kommentare geschlossen wurden. Ich hab mir nämlich fast zwei Stunden einen abgebrochen um ein paar Zeilen zu schreiben die nicht all zu falsch klingen. Für die Angehörigen kann die Idee, dass Selbstmord ein Freitod, also eine freie Entscheidung, ist tröstlicher sein, als der Gedanke, dass jemand nichts sagte, litt und sich dann das Leben nahm, weil die Depression ihm einredete, dass es keinen Ausweg gäbe. Für einen Depressiven ist es aber ein Schlag ins Gesicht, weil diese Sichtweise die mitunter jahrelangen und zermürbenden Kampf gegen die Depression und den Selbstmord ignoriert.

Aber egal jetzt. Ich kram diesen verweisten Blog raus um ein Trackback setzen zu können, damit die zwei Stunden nicht völlig umsonst waren und ich jetzt endlich mit wichtigen Dingen weitermachen kann.

Seit rund eineinhalb Stunden versuche ich die richtigen Formulierungen zu finden aber man kann es einfach nicht mit Worten ausdrücken oder gar auf den Punkt bringen. Eine Depression kann man nicht verstehen. Selbst ich kann meine eigene Depression nicht mehr nachvollziehen, jetzt da ich gesund bin.

Hier mein angefangener Post. Vllt findet irgendjemand ja doch noch etwas, das ihm weiterhilft:

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Ich hatte nach zweijähriger Depression einen Selbstmordversuch und das war definitiv _keine_ freie Entscheidung! Eine Depression drängt einen zum Selbstmord, setzt einem den Gedanken immer wieder in den Kopf und blendet andere Auswege vollkommen aus. Trotzdem wehrt man sich vehement dagegen doch irgendwann – es kann ein lächerlich kleinen Auslöser von außen dazu kommen oder man hat einmal einfach „nicht aufgepasst“ – hält man dem Druck nicht mehr stand. Ich empfände es als lächerlich und demütigend, wenn jemand meinen Auslöser als Grund für meinen Selbstmordversuch nennen würde. Die Hürde sich das Leben zu nehmen ist so unglaublich hoch, dass selbst viele Totkranke und unter brutalen Schmerzen leidende Menschen, die die Möglichkeit bekommen das eigene Leben zu beenden (Beihilfe zur Selbsttötung in Schweiz), dies nicht tun.

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Und noch ein Rat an Depressive: Wenn ihr Selbstmordpläne habt dann _müsst_ ihr jemandem davon erzählen und notfalls ins Krankenhaus gehen – schreibt es auf einen Zettel, wenn ihr es nicht aussprechen könnt. Man kann es lange „im Griff“ haben, aber es reicht nur ein kleiner Moment in dem man die Kontrolle verliert und es ist vorbei.

Note to self: Überzeugungshilfen für Offline-Menschen

Mai 14, 2009

Will ich einem Freund, der nicht wie ich sich fast rund um die Uhr im Internet bewegt, erklären, was genau das Problem mit den von Zensursula gewollten Internetsperren ist, dann komme ich schnell an den Punkt, an dem ich die technischen Details erklären muss und das eigentliche Thema unter zugehen droht. Doch im Zuge der Berichterstattung über die Online-Petition haben sich nun auch viele Journalisten und andere Personen vom Fach zu Wort gemeldet, die die Umstände wesentlich besser als ich diesen Leuten nahe bringen können. Daher werde ich nun hier nach und nach eine Liste mit den Berichten erstellen, die mir geeignet erscheinen.

tagesschau.de zu Online-Petition

Mai 8, 2009

Aus der Antwort auf eine Mail von mir:

Da waren in der nächtlichen Meldung IP-Adressen und Domain-Namen durcheinandergeraten. Normalerweise kennen wir den Unterschied.

Hört sich an, als hätte da ein „nächtlicher Journalist“ eine Standpauke erhalten.

Intermezzo

Mai 5, 2009

Leise müht sich der erste Takt aus den Lautsprechern, die irgendwo im Hintergrund ihr Dasein fristen und gewissenhaft ihrer Aufgabe nachgehen egal ob jemand zuhört oder nicht. Doch dieser Takt bricht sich die Bahn durchs Zimmer und meine Gehörwindungen um die Barriere in mein Bewusstsein zu durchbohren.

Es ist der erste Takt eines Songs, der wie ein Schlüssel zu einer alten Erinnerung ist. Wie aus dem Nichts blumst dieser Schlüssel in mein Bewusstsein, bleibt liegen. Ich unterbreche meine Arbeit sehe ihn einen langen Augenblick an um dann die verstaubte Kiste mit den passenden Erinnerungen aus dem Unterbewussten zu kramen.

Eigentlich ein typischer Emo-Song. Weinerliche Weltschmerzmukke eben. Selber hätte ich diesem Song warscheinlich Hausverbot verhängt. Aber wenn man mit einem netten Menschen – und vorallem hübschen Frau – chattet, der einem dann diesen Song zuspielt, ist man im ersten Moment etwas vorsichtiger mit seinem Urteil.

Ich hatte sie irgendwann mal in einer Social-Community – die kamen da gerade auf aber hießen noch nicht so – angeschrieben.  Ich hatte mir zuvor ein stattliches Sortiment an Anmachsprüchen zurechtgelegt und nutzte das Internet um diese auszutesten. Der Spruch, den ich ihr schrieb, wirkte (wenn ich doch bloß noch wüsste wie der ging!). Allerdings wohnte ich damals noch in der Nähe von Stuttgart und sie in Hamburg und Volljährig war ich damals glaube ich auch noch nicht. Aber es entwickelte sich eine unterhaltsame Internetfreundschaft. Mal flierteten wir ein bisschen, mal unterhielten wir uns über unseren Alltag, über Parties und was uns sonst so durch den Kopf ging.

Als sie mir den Song zeigte flierteten wir nicht. Womöglich regnete es in Hamburg und sie war in melancholischer Stimmung als sie wieder an ihre Freunde dachte und mir von ihnen erzählte. Vier gute Freunde waren es, so erzählte sie mir. Und wie ihr Vater, der Chefarzt war, sie ansah, als er von der Nachtschicht nach Hause kam. Wir waren beide der Meinung, dass es wohl das Beste war, dass sie es von ihm erfuhr und nicht erst Tage später um irgendwelche Ecken herum. Heimweg vom Club, zu schnell, vier Freunde auf einmal einfach weg. Der Song lief rauf und runter während sie mir das erzählte.

Und als drei bis vier Jahre später eine E-Mail von einer ihrer Freundinnen kam, da kramte ich den Song wieder aus den UnterUnterOrdnerzweigen meiner Festplatte und ließ ihn in Dauerschleife laufen. Ein Autounfall, noch in der selben Nacht im Krankenhaus gestorben. Ich wohnte inzwischen in Berlin, hatte ihr versprochen sie mal zu besuchen. Ob ihr Vater an diesem Tag auch Nachtschicht hatte? Sie wurde 21.

Mein Blick schweift zur Uhr. 22.17 Uhr. Ich habe noch Arbeit für zwei bis drei Stunden und muss morgen um 9 los.

Mit einem Seufzer schließe ich die Erinnerung, achte darauf das beim Zusammenpacken nichts verlohren geht, verabschiede mich nochmals von der Freundin und stelle die Erinnerung an sie wieder in die hintere Ecke.

BVG und Buskampagne.de

April 7, 2009

Nachdem die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Werbesprüche der atheistischen Buskampagne.de ablehnte, schrieb ich eine recht wütende E-Mail an die BVG. Nun habe ich nach geraumer Zeit eine Antwort erhalten. Und ich muss sagen, dass mich diese versöhnlich stimmt. (Namen wurden anonymisiert):

Sehr geehrter Prof. Einstein,

vielen Dank für Ihren Hinweis.

Die Anfrage der „Atheist Campain Buskampagne“, auf Berliner Linienbussen zu werben, ist von den Berliner Verkehrsbetrieben nach einem internen Abstimmungsprozess ablehnend beschieden worden. Dabei spielte das eigentliche Anliegen der Kampagne nur insofern eine Rolle, als dass es sich hierbei um eine weltanschauliche Werbung handelt. Mit einer Genehmigung dieser durchaus originellen Kampagne, müssten wir, im Sinne auch der von Ihnen geforderten Gleichbehandlung, jeder danach folgenden weltanschaulichen Werbung unabhängig von ihrem Inhalt, ebenfalls eine Genehmigung erteilen.

Es war gerade die in der ganzen Stadt extrem kontrovers diskutierte Entscheidung unseres Unternehmens, eine Unterschriftensammlung der Initiative „Pro Reli“ in der U-Bahn zu genehmigen, die uns in dieser Entscheidung bestärkt. Auch wenn es vorrangig die zu diesem Zeitpunkt in Berlin herrschenden Minusgrade waren, die unsere Entscheidung maßgeblich beeinflusst haben, sehen wir das Ganze doch im Nachhinein mit einem sehr viel kritischeren Blick. Die durchaus heftige, und für uns doch überraschende öffentliche Resonanz auf unsere Entscheidung hat uns deshalb dazu bewogen, in Zukunft, außer der Parteienwerbung im Rahmen gesetzlich vorgeschriebener Wahlkampfphasen, keine weltanschauliche Werbung mehr zuzulassen. Entsprechend wurde auch die Wall AG, die die Vermarktung unserer Fahrzeuge und Anlagen betreibt, informiert.

Unsere Betriebsbereiche U-Bahn, Straßenbahn und Bus sind ebenfalls aufgefordert worden, möglicherweise noch vorhandene, ältere Werbungen mit entsprechendem Charakter zu entfernen.

Die BVG ist ein Verkehrsunternehmen, das seine Aufgabe darin sieht, gemeinsam mit der S-Bahn GmbH für die Bürgerinnen und Bürger Berlins und die zahlreichen Gäste unserer Stadt rund um die Uhr ein weitverzweigtes und gut in sich verknüpftes Nahverkehrsangebot zu leisten. Dabei bemühen wir uns tagtäglich unseren Fahrgästen – völlig unabhängig von Herkunft, Nationalität und Weltanschauung – ein besonders gutes Angebot zu bieten.

Wir bedanken uns für Ihr Interesse an unserem Unternehmen und wünschen Ihnen allzeit gute Fahrt mit Ihrer BVG.

Mit freundlichen Grüßen

Angela Merkel

Kundenservice

Was mir nicht gefällt ist das Anbiedern im ersten Abschnitt mit dem Kommentar: „dieser durchaus originellen Kampagne“. Das hätte ich aber wahrscheinlich genauso gemacht…

Was mir gut gefällt ist zum einen, dass die BVG sich die Mühe macht ausführlich zu antworten, und dass sie sich darauf festlegt „ältere Werbungen mit entsprechendem [weltanschaulichen] Charakter zu entfernen“.

Sollten nun wirklich alle Bibelsprüche aus den öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins (ausgenommen die S-Bahnen, die zur Deutschen Bahn gehören) verschwinden, währe dies schon ein größerer Erfolg als ich der Kampagne zugetraut hätte. Und die Spendengelder sind noch da…

Wohin nur mit den Rettungspaket-Milliarden?

März 23, 2009

Die EU brachte dieses Wochenende ein Konjunkturpäcken von 5 Milliarden Euro auf den Weg. Ein wirklich mickriges Sümmchen, wo wir uns inzwischen an so große Zahlen gewöhnt haben. Löblich finde ich, dass die Gelder bereits recht konkret verplant wurden. Unter andrem sollen 90 Millionen des Paketes in die ländliche Entwicklung Deutschlands investiert werden. Damit war vor allem der Ausbau der Breitbandverbindungen gemeint, der für profitorientierte Unternehmen in dünn besiedelten Gebieten unrentabel ist.

Wie nun tagesschau.de berichtet, will die Bundesagrarministerin Ilse Aigner, die gerade in Brüssel kläglich mit dem Versuch scheiterte die Milchquote stabil zu halten, die 90 Millionen Euro den maulenden Milchbauern in den Rachen werfen. Anstatt den ländlichen Raum endlich an die entstehende Informationsgesellschaft anzubinden, sollen hier also 90 Millionen Euro einem aussterbenden Berufsstand ins Grab gelegt werden. Zugegeben: ein Berufsstand mit Wählerstimmen – vorallem für die Union – und erst recht für die CSU.

Als Teil der Generation, die die vielen Schulden wieder zurückzahlen soll, bekomme ich Magenschmerzen bei dem Gedanken, dass die vielen Konjunkturpakete mit dem Superwahljahr 2009 zusammenfallen.