Archive for the ‘kurz kommentiert’ Category

BVG und Buskampagne.de

April 7, 2009

Nachdem die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Werbesprüche der atheistischen Buskampagne.de ablehnte, schrieb ich eine recht wütende E-Mail an die BVG. Nun habe ich nach geraumer Zeit eine Antwort erhalten. Und ich muss sagen, dass mich diese versöhnlich stimmt. (Namen wurden anonymisiert):

Sehr geehrter Prof. Einstein,

vielen Dank für Ihren Hinweis.

Die Anfrage der „Atheist Campain Buskampagne“, auf Berliner Linienbussen zu werben, ist von den Berliner Verkehrsbetrieben nach einem internen Abstimmungsprozess ablehnend beschieden worden. Dabei spielte das eigentliche Anliegen der Kampagne nur insofern eine Rolle, als dass es sich hierbei um eine weltanschauliche Werbung handelt. Mit einer Genehmigung dieser durchaus originellen Kampagne, müssten wir, im Sinne auch der von Ihnen geforderten Gleichbehandlung, jeder danach folgenden weltanschaulichen Werbung unabhängig von ihrem Inhalt, ebenfalls eine Genehmigung erteilen.

Es war gerade die in der ganzen Stadt extrem kontrovers diskutierte Entscheidung unseres Unternehmens, eine Unterschriftensammlung der Initiative „Pro Reli“ in der U-Bahn zu genehmigen, die uns in dieser Entscheidung bestärkt. Auch wenn es vorrangig die zu diesem Zeitpunkt in Berlin herrschenden Minusgrade waren, die unsere Entscheidung maßgeblich beeinflusst haben, sehen wir das Ganze doch im Nachhinein mit einem sehr viel kritischeren Blick. Die durchaus heftige, und für uns doch überraschende öffentliche Resonanz auf unsere Entscheidung hat uns deshalb dazu bewogen, in Zukunft, außer der Parteienwerbung im Rahmen gesetzlich vorgeschriebener Wahlkampfphasen, keine weltanschauliche Werbung mehr zuzulassen. Entsprechend wurde auch die Wall AG, die die Vermarktung unserer Fahrzeuge und Anlagen betreibt, informiert.

Unsere Betriebsbereiche U-Bahn, Straßenbahn und Bus sind ebenfalls aufgefordert worden, möglicherweise noch vorhandene, ältere Werbungen mit entsprechendem Charakter zu entfernen.

Die BVG ist ein Verkehrsunternehmen, das seine Aufgabe darin sieht, gemeinsam mit der S-Bahn GmbH für die Bürgerinnen und Bürger Berlins und die zahlreichen Gäste unserer Stadt rund um die Uhr ein weitverzweigtes und gut in sich verknüpftes Nahverkehrsangebot zu leisten. Dabei bemühen wir uns tagtäglich unseren Fahrgästen – völlig unabhängig von Herkunft, Nationalität und Weltanschauung – ein besonders gutes Angebot zu bieten.

Wir bedanken uns für Ihr Interesse an unserem Unternehmen und wünschen Ihnen allzeit gute Fahrt mit Ihrer BVG.

Mit freundlichen Grüßen

Angela Merkel

Kundenservice

Was mir nicht gefällt ist das Anbiedern im ersten Abschnitt mit dem Kommentar: „dieser durchaus originellen Kampagne“. Das hätte ich aber wahrscheinlich genauso gemacht…

Was mir gut gefällt ist zum einen, dass die BVG sich die Mühe macht ausführlich zu antworten, und dass sie sich darauf festlegt „ältere Werbungen mit entsprechendem [weltanschaulichen] Charakter zu entfernen“.

Sollten nun wirklich alle Bibelsprüche aus den öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins (ausgenommen die S-Bahnen, die zur Deutschen Bahn gehören) verschwinden, währe dies schon ein größerer Erfolg als ich der Kampagne zugetraut hätte. Und die Spendengelder sind noch da…

Wohin nur mit den Rettungspaket-Milliarden?

März 23, 2009

Die EU brachte dieses Wochenende ein Konjunkturpäcken von 5 Milliarden Euro auf den Weg. Ein wirklich mickriges Sümmchen, wo wir uns inzwischen an so große Zahlen gewöhnt haben. Löblich finde ich, dass die Gelder bereits recht konkret verplant wurden. Unter andrem sollen 90 Millionen des Paketes in die ländliche Entwicklung Deutschlands investiert werden. Damit war vor allem der Ausbau der Breitbandverbindungen gemeint, der für profitorientierte Unternehmen in dünn besiedelten Gebieten unrentabel ist.

Wie nun tagesschau.de berichtet, will die Bundesagrarministerin Ilse Aigner, die gerade in Brüssel kläglich mit dem Versuch scheiterte die Milchquote stabil zu halten, die 90 Millionen Euro den maulenden Milchbauern in den Rachen werfen. Anstatt den ländlichen Raum endlich an die entstehende Informationsgesellschaft anzubinden, sollen hier also 90 Millionen Euro einem aussterbenden Berufsstand ins Grab gelegt werden. Zugegeben: ein Berufsstand mit Wählerstimmen – vorallem für die Union – und erst recht für die CSU.

Als Teil der Generation, die die vielen Schulden wieder zurückzahlen soll, bekomme ich Magenschmerzen bei dem Gedanken, dass die vielen Konjunkturpakete mit dem Superwahljahr 2009 zusammenfallen.